Wir gründen eine Podcast-AG (Teil 2 von 2)

Dies ist der 2. Teil ( Teil 1 lest ihr hier) meines Texts über die Entstehung und die Arbeit der Podcast-AG für die Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit Bildung Kultur NRW e. V. Zu jedem Punkt gibt es am Ende wieder ein „Gelernt“: Was habe ich daraus gelernt und was könnt ihr für Eure konkrete Situation vielleicht als Anregung mitnehmen?

Die Produktionsphase

Nachdem die Technik eingerichtet war, konnte die Produktion des Podcasts starten. Da wir ausschließlich online miteinander kommunizierten, fand der Austausch auf WhatsApp statt und unseren Jitsi-Treffen. Für uns die einfachste Kombination, um in Kontakt zu bleiben. In der zweiten Staffel haben wir dann zusätzlich das Team-Kommunikationstool Slack zum Einsatz gebracht.

Screenshot der Kanalliste in Slack
Screenshot der Kanalliste in Slack

Dort konnten wir dann den Chat für die einzelnen Folgen, der vorher über mehrere WhatsApp-Gruppen verteilt war, in einzelne Kanäle stecken. Gerade für Folgen mit Gäst*innen war das wichtig – die Gäst*innen sollten ja keinen Zugriff auf die Absprachen im Kanal „Allgemein“ oder „Technik“ haben.

Gelernt: Das Team muss sich mit den Tools wohlfühlen und darf auch eigene Vorschläge einbringen. Die Aufgabe der AG-Leitung ist es, Optionen vorstellen und bei der Auswahl und Implementierung zu helfen.

1. Folgenplanung

Für die Planung der Folgen haben wir Cryptopad genutzt als datenschutzfreundliche Alternative zu Google Docs (eine andere Alternative wäre Workflowy – warum das für Podcasts ebenfalls wunderbar geeignet ist, habe ich hier aufgeschrieben). In unseren Planungstreffen für jede Folge (in der Regel eine oder zwei Wochen vor der Aufnahme) konnten wir so alle wichtigen Punkte festhalten, die in der Folge angesprochen werden sollten. Auch haben wir gleich notiert, wer die Moderation übernimmt und durch die Sendung führt. Ebenso wurde besprochen, wer den Schnitt übernimmt.

Folgenplanung in Cryptopad
Folgenplanung in Cryptopad

Die Darstellung als Hierarchie-Struktur macht es einfach, Haupt- und Unterpunkte zu sortieren und in eine Reihenfolge zu bringen, die es dann bei der Aufnahme leichter macht, von Punkt zu Punkt zu gelangen. Allzu straff sollte die Struktur aber nicht sein, damit die Folge dann nicht wie Referat klingt. Es soll ja immer noch in erster Linie ein schönes Gespräch zwischen den Teilnehmer*innen sein. Die zweite Aufgabe der Planung ist es, festzustellen, ob noch Fakten recherchiert werden müssen bis zur Aufnahme.

Gelernt: Wenn alles ungezwungen und natürlich klingen soll: Ein gemeinsamer Planungstermin hilft dabei enorm. Dabei ist weniger das präzise Festhalten der Gedanken wichtig, sondern vielmehr, dass das Team im Kopf schon einmal das Thema einkreisen und durchdenken kann. Mit umso mehr Souveränität und Fokus geht es dann in die Aufnahme.

2. Aufnahme

Unsere Aufnahmeumgebung ist StudioLink. Das heißt: sehr guter Klang, aber kein Bild. „Kein Bild“ heißt aber auch: Alle sind gleich in der „Podcast-Stimmung“. Alles muss beschrieben werden, man kann nichts zeigen und hat den Hörer*innen erst mal nichts voraus. Durch die Technikeinweisungen im Vorfeld waren alle zur Aufnahmezeit bereit und verkabelt und wir konnten jede*n nacheinander anrufen. Wir als AG-Leitung haben die Kommandozentrale bedient, d.h. über unsere StudioLink-Instanz lief alles zusammen und wir ließen auch die Aufnahme mitlaufen – zusätzlich zu den lokalen Aufnahmen der Teilnehmer*innen. Bevor’s dann ins Podcast-Gespräch ging, haben wir immer noch mal alles überprüft anhand einer kleinen Checkliste von Ulrike. Verwendet sie gerne und wandelt sie für Eure Zwecke ab.

Checkliste StudioLink
Checkliste StudioLink

Und als dann alles lief, hieß für alle „Aufnahme läuft“. Ulrike und ich haben uns dann stumm geschaltet und mitgehört. Fiel uns etwas auf, haben wir uns Notizen gemacht, aber erst mal das Gespräch laufen lassen. Am Ende haben wir dann diese Punkte gemeinsam mit dem Team noch mal reflektiert und auch die Teilnehmer*innen hatten Gelegenheit für Ergänzungen, bevor wir die Aufnahme stoppen. Die lokalen Spuren haben wir dann über unsere Nextcloud eingesammelt – idealerweise direkt nach der Aufnahme. Und damit war die Aufnahme im Kasten.

Gelernt: Guter Klang gibt allen Beteiligten Sicherheit. Die Technik soll die Aufnahme unterstützen und nicht behindern – gerade bei Remote-Aufnahmen. Je nach Team kann die AG-Leitung mehr oder weniger der Aufnahmeleitung abgeben, die Rolle eines „Nicht-sprechenden“ Aufnahmeleiters ist aber für solche Projekte zu empfehlen, damit die Sprecher*innen „den Kopf frei haben“.

3. Produktion

Für die Produktion haben wir die eingesammelten Spuren erst einmal auf eine einheitliche Länge gebracht und synchronisiert. Das haben wir in Reaper mit Ultraschall vorbereitet, der Schnitt erfolgte dann aber durch eine*n der Teilnehmer*innen in Audacity. Wir haben uns für diese Zweiteilung entschieden, da wir einerseits die Vorteile von Mehrspuraufnahmen nutzen wollten, den Einstieg aber einfach und kostengünstig halten wollten. Da bot sich Audacity an, einfach, weil es kostenlos ist – für das Angleichen von mehreren Spuren ist es aber nur bedingt geeignet für Einsteiger*innen, daher haben wir diesen Schritt selbst übernommen. Ausgestattet mit diesen Spuren und einer Einführung in Audacity konnten die Teilnehmer*innen dann loslegen. Hierzu haben wir auch Schulungsvideos erstellt, die jeweils einzelne Aspekte von Audacity noch einmal kurz erklären und fürs Selbststudium zeitunabhängig abgerufen werden können.

Gemeinsam haben wir auch ein Intro und ein Outro erstellt, dass zusammen mit den Spuren als Paket von uns geliefert wurde und die Folge somit komplett geschnitten werden konnte. Die fertige Folge wurde dann erst einmal im Team als MP3 gegengehört und dann zur Freigabe an die LAG geschickt. Kam von dort das OK, wurden die einzelnen Spuren als FLAC exportiert und von uns in Auphonic final abgemischt und zusammen mit dem Cover und dem Folgentext als MP3 exportiert.

Gelernt: Klare Aufgaben und Prozesse haben uns geholfen, Folge für Folge zu bearbeiten und klare Zuständigkeiten festzulegen. Den Schnitt für das Gesprächsformat haben wir bewusst einfach gehalten, zugleich aber mit dem Mehrspurschnitt und Freigabeprozessen eine „echte“ Podcastproduktion umsetzen können.

4. Veröffentlichung

Die fertige Folge ging dann an unsere Ansprechpartner*in bei der LAG und von dort dann online – sowohl im eigens eingerichteten Podlove-Feed im hauseigenen Blog als auch bei Spotify. Im Lauf des FSJ entstanden so acht Folgen und aktuell sind wir mit einem neuen Team in Staffel 2. Wir glauben, mit dieser Vorgehensweise eine gute Balance zwischen einem Blick hinter die Kulissen einer Podcastproduktion und der Freude am gemeinsamen Austausch über das FSJ mit einem Mehrwert für Hörer*innen getroffen zu haben.

Was auf keinen Fall unter den Tisch fallen soll: Der Plausch vor und nach der Aufnahme sowie während der Folgenplanungstreffen gehört ebenso zur AG wie die Aufnahme und das Erstellen der Folgen. Über die Folgen hinweg hat sich das Team aufeinander eingespielt, die Stimmung wurde lockerer und der Spaß kam nicht nur bei unserer Online-Weihanchtsfeier nie zu kurz.

Vergesst also nicht: So eine AG soll auch allen Freude machen und dient nicht nur dazu, Arbeitsaufträge zu verteilen und abzuarbeiten.

Ich hoffe, Euch hat dieser kleine Überblick über unsere AG-Arbeit gefallen und ihr konntet vielleicht Anregungen für ähnliche Projekte mitnehmen.

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